Wohnbebauung am Bayrischen Bahnhof – Architektonische Ideenlosigkeit und Funktionalität setzen sich in Leipzig fort

Daniel Thalheim

Was seit dem 11. März im Neuen Rathaus ganz groß als „Wohnen in der Kohlenstraße“ gezeigt und medial aufgebauscht als „wertig gestaltete Fassaden“ angekündigt wird, sind nichts als Potemkinsche Dörfer. Die Visualisierungen der Wettbewerbsbeiträge zeigen nur das, was im Rahmen gesetzter Vorgaben, Vorlagen und Normen erreichbar ist. Der Tellerrand des baukünstlerisch Möglichen hängt nicht von einer Fassadenstruktur ab, sondern von der infrastrukturellen Aufladung integrierten Wohnens, Arbeitens und Zusammenlebens, das über das erdenkliche Maß der selbst auferlegten und seit 100 Jahren existierenden Sparzwänge der räumlichen Gliederungen eines Quartiers und ihrer räumlichen Binnentrennung von Arbeit und Wohnen, hinausgeht.

 

Leipzig setzt auf überholte Binnenstrukturen im Wohnen und Bauen – Wie Architektur mental schädigen kann

Das Bauen im Deutschland der Klassischen Moderne, da reden wir vom Ende des Zweiten Deutschen Kaiserreiches bis in die Zeit der Weimarer Republik und ihrer Rudimente einschließlich 1945, ist vor allem vom Materialsparzwang geprägt, nach 1945 dann von der Maßgabe Gebäude aus Beton zu errichten. Wohnen ist möglichst kleinteilig und billig zu halten. Die Infrastrukturen in den randstädtischen Trabantensiedlungen ist faktisch auf Supermärkte und Zentrenstrukturen beschränkt, in ländlichen Gebieten entwickelt sich die gesellschaftliche Struktur ebenfalls zurück. Sogenannte Neubauviertel wie in Leipzig-Grünau, Leipzig-Lößnig und Leipzig-Paunsdorf sind nichts weiter als das Einpferchen von wirtschaftlich schwach aufgestellten Menschen. Architektur wird so als Reinkultur der Diskriminierung und Ausgrenzung benutzt und wird auch behördlich so festgelegt.  Die eng geschnittenen Wohnungen dieser durchgenormten Arbeiterschließfächer der DDR sind auch noch denkmalgeschützt. Sie sollten eher Beispiele für desintegratives Wohnen herabgesetzt, abgerissen und lediglich Teile dieser Typenwohnungen in Museen ausgestellt werden. So hat man durch Sparzwänge und Normierung ein ganzes Land einzulochen versucht. Dass sogar in westdeutschen Städten der Bonner Republik so ein Bauen möglich war, ist umso schrecklicher.

Wettbewerbsergebnis für das erste Wohnquartier am Bayerischen Bahnhof zwischen Dösner Weg und Bahntrog. 1. Rang für das Architekturbüro Kaden + Lager. © Kadfen + Lager GmbH
Wettbewerbsergebnis für das erste Wohnquartier am Bayerischen Bahnhof zwischen Dösner Weg und Bahntrog. 1. Rang für das Architekturbüro Kaden + Lager. © Kadfen + Lager GmbH

Was damals vor 40 Jahren noch galt gilt heute noch. Die Klassische Moderne und Postmoderne wird lediglich wiederholt, variiert und als alter Wein in neuen Schläuchen angepriesen. Gebaut wird derzeit auch nur, um den motorisierten Individualverkehr Folge zu leisten. Ökologie ist inzwischen eine in Paragrafen gepresste Norm geworden, die weitaus weniger ökologisch ist als man ihr im tatsächlich Bauen Vorschub leisten könnte. Was dieser Tage in Leipzig u.a. von der Stadtbau Wohnprojekte GmbH, einer Tochter der Stadtbau AG, der Öffentlichkeit vorgestellt wird, schließt sich im wesentlichen dem Charakterzug des Bauens der Post-Moderne an; blockhafte Lochfassadenstrukturen, „aufgelockert durch die Horizontale aus offen gelegten Loggien. So gesehen sind die gezeigten Entwürfe eine schematisch auf dem Reißbrett gestochene Pappmaché-Häuser einer Siebzigerjahre-Vorstadtsidylle ähnlicher als urbanes Wohnen heute im internationalen Maßstab verstanden wird. Zauberworte wie „Barrierefreiheit“, „Tiefgaragen“, „Sonnen- und Wärmeschutz“ verbrämen das eigentliche Ziel von Stadtteilentwicklung. Mit Entwürfen wie diesen macht man Leipzig zu einer leblosen Schlaf- und Wohnstadt. Dabei ist die Zeit des vor 100 Jahren noch innovativ gedachten Reformbauens in dieser Form – Blockrandbebauung mit grünen Innenhöfen – längst vorbei. Auch der scheinbar großzügig gedachte Stadtteilpark hilft über die Einfallslosigkeit der Entwürfe nicht hinweg. Das Schlimme daran ist; öffentliche Diskussionen wie eine Stadt wie Leipzig heute auszusehen hat, gab es im Vorfeld des Wettbewerbes nicht. Der Ausspruch „Im Kleinen ein Pedant, im Großen ein Dilettant“ verdeutlicht die Unfähigkeit planerischen Denkens sowohl im Baudezernat als auch in Jury und Architekten, dass Architektur heutzutage wesentlich nachhaltiger gedacht werden muss. Das schafft man nicht mit voneinander getrennten Mitweltsegmenten Wohnen, Freizeit und Arbeit, sondern mit ihrer Verdichtung und Verschränkung. Ganz so, wie Städte – nicht nur in Europa – vor 200 Jahren gedacht wurden. Auch Leipzig lebte von dieser Verschränkung von Wohnen und Arbeiten. Das war nicht immer schön anzusehen, auch nicht wohl zu schnuppern. Wohnen und Gewerbe hingen miteinander zusammen. Jetzt sind von ursprünglich innovativen Ideen nur noch Wohn- und Kinderstall übrig geblieben. Kulturelle Belebung wird zugunsten einer leeren Sterilisierung gestrichen. So will man selbst nicht auf dem Land leben.

Die segmentierte Sterilität von Wohnen (Erholung) und Arbeit (Lärm und Stress) weicht ausgehend von Südostasien immer mehr auf. Wann dieser Trend endlich Europa erreichen wird, von einem Nationalstaat wie Deutschland mag man auch innerhalb der Redaktion Artefakte nicht mehr reden, sondern einer binnengeliederten Verwaltungs- und Wirtschaftsstruktur Mitteleuropa von Frankreich bis Polen, steht hingegen noch in den Sternen. Dass Architektur „rund“ sein muss, verstehen heute immer noch die wenigsten, geschweige sie beschäftigen sich damit und bezeichnen Entwürfe von organisch gebauten Stadtteilgliedern als „utopisch“, also als unerreichbar und zu weit hergeholt. An solchen Argumentation merkt man, dass die falschen „Experten“ derzeit das Sagen haben, die Sachverwalter, die Paragrafenreiter, die Scheuklappendenker und die Bedenkenträger.

Wettbewerbsergebnis für das erste Wohnquartier am Bayerischen Bahnhof zwischen Dösner Weg und Bahntrog. 2. Rang für nps Tchoban und Voss Architekten. © nps Tschoban Voss Architekten
Wettbewerbsergebnis für das erste Wohnquartier am Bayerischen Bahnhof zwischen Dösner Weg und Bahntrog. 2. Rang für nps Tchoban und Voss Architekten. © nps Tschoban Voss Architekten

Wie heute gebaut werden muss

Man muss sich von einer denkmalschützerischen bzw. heimatschützlerischen Idee im Städtebau zunächst einmal entfernen, bzw. den großflächigen Denkmalschutz von Wohngebieten abschaffen und auf ein nötiges Maß beschränken. Die Wohn- und Industriegebiete der Gründerzeit waren für eine Lebensdauer von maximal 30 bis 40 Jahren gedacht. Wie stark die Verwerfungen des damaligen Bauens zu Heute sind, zeigt sich in der Beeinflussung von Architektur auf die Psyche. So kleinteilig und platzsparend das Bauen im Zuge der Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts auch war, so epochal kleingeistig ist dieses Bauen gedacht: die Wohnmaschine ist das Haus im Kleinen, für den Geringverdiener gedacht, der Komfort ist faktisch nicht vorhanden. 

Was vor 100 Jahren als innovativ galt, platzsparend, All-in-One, reicht heute nicht mehr. Dabei hilft auch die Debatte nicht, wieviel Raummeter einer bzw. zwei Personen zustehen, wie man Wohnverhältnisse deutschlandweit seit der Agenda 2010 denkt und umsetzt. Auch preislich müssen Kategorisierungen wirtschaftlicher Natur wegfallen; der Baupreis darf nicht den Mietpreis bestimmen. Die Bauvorgaben dürfen nicht den Baupreis bestimmen. Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kinderbetreuung, Grünes sowie Erholung und Kultur müssen nicht zwangsläufig räumlich voneinander getrennt werden.

Die Gasometercity in Wien als Beispiel Sozialen Bauens

2001 wurden die alten, 1899 in Wien errichteten, revitalisiert. Die ehemals größten Gasspeicher der Welt beherbergen nun Wohnungen, Büros, ein Studentenheim, ein EInkaufszentrum und eine Konzerthalle in sich. Nach den 2013 erfolgten Umbauten, stehen die Gasometer ganz im Zeichen der Musik; drei Ausbildungszentren, einige Fachgeschäfte und zwei weitere Veranstaltungsräume komplettieren die Gasometer aus seinen charakteristischen vier Türmen als musikalisches Herz von Wien.

Für die Gestaltung der vier Gasometer-Türme ließen sich die Investoren nicht lumpen. Schließlich ist Wien Bundesland und österreichische Hauptstadt. Das Herz des ersten Gasometers trägt die Handschrift des französischen Star-Architekten Jean Nouvel. Die riesige Dachkuppel lässt das Tageslicht ins Innere fallen, beleuchtet sowohl die Wohn- und Bürosegmente als auch das darunter liegende, dreigeschossige  Einkaufszentrum.

Weitere Wohnungen und ein Studentenheim beherbergt das zweite, von Coop Himmelb(l)au gestaltete, Gasometer. Dieser Turm erhielt zudem noch einen angebauten Flügel, der den Turm in einem Abstand zu ihm umspannt. Oberhalb der Halle für Rockkonzerte und andere Veranstaltungen sind Wohnungen und Studentenheim untergebracht. Später wurde eine Passage mit einem Ausbildungszentrum hinzugefügt.

Manfred Wehdorn gestaltete das Innere des dritten Gasometerturms. Vom Art Nouveau der Wiener Moderne inspiriert, ist der Komplex mit viel Grün durchzogen. Wilhelm Holzbauer füllte den vierten Turm mit Wohnsegmenten im Inneren, anders als es bei den anderen Türmen geschah. Unter diesem Wohnbereich isz das Stadt- und Landesarchiv Wien eingezogen. Auch ein Musikfachgeschäft befindet sich in dieser Zone. Alle Loggien und Grünflächen der Wohnungen zeigen auf die Außenmauer des Gasometers. 

Insgesamt wurden in allen vier Türmen über 600 Wohnungen geschaffen, 11.000 QM Bürofläche, 20.000 QM Einkaufsmeile, 7.000 QM Konzerthalle, 1.000 Stellplätze für PKW, 12 Kinosäle, 35 KM Regallänge sowie knapp 16.000 QM Büro- und Stellfläche für das Wiener Stadt- und Landesarchiv. Rund 1.600 Menschen fwohnen hier, in den Büros und Zentren werden rund 600 Menschen beschäftigt. Dass dieses Projekt verwirklicht werden konnte, benötigte einen Planungszeitrahmen von über zehn Jahren. 1989 wurden erste Studien und Gutachten erstellt, 1999 erfolgte der Spatenstich. Ungefähr hundert Jahre zuvor, 1892, wurde die Baugenehmigung für die vier Gasometertürme erteilt. Von 1896 bis 1899 wurden die Türme errichtet. Erst 1985 wurden sie, inzwischen denkmalgeschützt,  außer Betrieb genommen. In den inzwischen ausgeräumten Außenhüllen tobte die freie Kulturszene sich aus: Techno-Parties und Filmdreharbeiten fanden bis in die Neunzigerjahre hinein hier statt. 

Wenn auch der Umbau nach streng voneinander getrennten Bereichen erfolgt ist, so demonstrieren die Türme doch eins: ein Umdenken in Bauen und Wohnen kann auf diese Weise erfolgen. Durch den Umbau hat man ein wertvolles Stadtquartier geschaffen, das im Kleinen auch für Leipzig funktionieren würde. Ist die Wiener Gasometer-City beispielgebend für eine Neues Bauen im urbanen Sinne? Durchaus: nur dass Grün und Wohnen, mit KiTas und Einkaufsmöglichkeiten durchaus innerhalb von Leipziger Wohnblock-Karrees erfolgen könnte, Wohnen und Stadtteilpark architektonisch miteinander verknüpft sind. Und Gasometer hat Leipzig auch, nur dass sie viel kleiner als die in Wien sind.

Was Soziale Architektur und Sozialer Städtebau heute bedeutet

Integratives Bauen ist kein stilistisches Mittel, um ästhetisch angenehm Wohnbauten zu errichten, sondern ein Prozess, wo Räume unterschiedlicher Nutzung miteinander verknüpft und gegenseitig einbezogen werden. Weil eben verschiedene Nutzungsebenen in einem Quartier miteinander veschränkt sind bzw. sein könnten, besitzen sie einen partizipatorischen und demokratischen Charakter. Genau dieser Charakter war im Städtebau der Industrialisierung von Bedeutung; Wohnen und Arbeiten in Stadtquartieren organisiert. Da werkelte im Hinterhof der Handwerksmeister mit Gesellen und Lehrlingen, dampften mitunter auch Schlote der Kleinbetriebe wie Malerfirmen, Kunst- und Bauschlossereien, Kürschnergeschäften, Maurerbuden, Tischler- und Möbelwerkstätten, aber auch die Gerüche aus Bäckereien und Metzgereien waren allgegenwärtig. Die Eckkneipe und die Gasstube waren ebenfalls immer vorhanden. In den Straßenzügen befanden sich Kleingeschäfte, wie sie jetzt noch im Großteil in den Wiener Bezirken 6 und 7 zu sehen sind; Drogerien, kleine Fachmärkte, Wein- und Käsegeschäfte, Milchläden, Getränkehändler, Fleischer und Gemüsehändler, und in den Gründerzeitgebäuden mittlerweile integriert; Supermärkte im Miniformat. In Deutschland, speziell in Leipzig, sieht die Situation anders aus. Bis 1990-92 existierte hier und anderswo in Ostdeutschland noch das Bild, das noch um 1900 die Straßenzüge prägte. Im Zuge der Umstrukturierungsprozesse zugunsten großer und mit dem erreichbaren Auto Einkaufszentren und Supermärkte fielen diese Ladenzeilen weg. Ein Kneipensterben setzt in Leipzig seit der Wiedervereinigung ein, aber auch seit einigen Jahren ein Sterben der lokalen Kulturfreiszene. Stattdessen sehen wir normierte Neubauten und umstrukturierte Altbauviertel, denen es an fußläufig erreichbaren Ladengeschäften, Handwerkern, KiTAs etc. fehlt. Eine Inklusion findet nur mithilfe getrennt voneinander existierenden Lebens- und Arbeitsbereichen statt. 

Selbstbauarchitektur, Soziale oder Partizipative Architektur sind, wie die Architekturzeitung „Detail“ 2015 schreibt, ohne diese Neupositionierung des Planers nicht möglich. „Während allerdings der soziale Anspruch der Moderne noch von einem ungebrochenen Fortschrittsglauben und elitären Utopismus getragen wurde, und man glaubte, die sozialen Veränderungen mit Hilfe der Technisierung und Industrialisierung erreichen zu können, zwingt uns die ökologische und soziale Not heute dazu, sich der vorhandenen „primitiven“ Ressourcen zu versichern,“ erläutert Architekt Anh-Linh Ngo während seines Vortrags zur „Sozialen Architektur“ während des Detail Research Forums 2015 in München. Ngo verdeutlicht aus der Position eines industriell geprägten Architektenverständnisses heraus, das in den USA und Ostasien im 20. Jahrhundert durch seine Wolkenkratzerbauwerke und reinen Wohnstädten verwirklicht wurde, etwas, das in Europa um 1900 unter anderen Gesichtspunkten bereits formuliert wurde. Die Verwendung lokaler Materialien, traditioneller Konstruktionen und Bautypen, aber auch ihres traditionell überlieferten Gebrauchs, sind für zeitgenössische Architekten plötzlich wieder Prinzipien integralen Wohnens und Arbeitens. Ebenso impliziert dies, so „Detail“ weiter, mit den eigenen Händen an der Seite der künftigen Nutzer zu arbeiten, und damit das Bauen zu einem sozialen Bauen zu erheben. 

In Leipzig ist dieses Prinzip bereits vorhanden. Nach der ersten Gründerzeitwelle von den 1880ern bis 1910ern Jahren, wo Quartiersentwicklung eng mit den Prinzipien von Arbeiten und Wohnen zusammenhing, finden wir kurz vorm Ersten Weltkrieg neue Paradigmen wieder, die wir bereits in den Reformbestrebungen in England ausgehend der ersten Industrialisierungswelle um 1800 sehen; Erholung und Wohnen werden nebeneinander gestellt. Der Arbeiter, der tagsüber oder während der Schichten im Werk für den Unterhalt seiner Familie sorgt, bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie in der Freizeit einen Garten oder an einem Haus angeschlossene Grünfläche. Die daraus entstandene Gartenstadtidee fand in Leipzig erste Umsetzungen mit der Gartenstadt Marienbrunn. In der Weimarer Zeit und in der Phase bis 1939 wurde diese Idee immer mehr vergrößert. Blockrandbauten umspannten Grünflächen. In der Nähe wurden Schrebergärten angelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Quartiersanlagen aufgelockert. Die Wohnscheibe und das Punkthochhaus verdrängten in vielen Städten Ostdeutschlands, aber auch in vielen Städten der Bonner Republik die Blockrandbebauung. Sogenannte Trabantenstädte entstanden, reine Wohnstädte mit einem oder mehreren kleinen Einkaufszentren, einigen Lokalversorgern und schnell erreichbaren Infrastruktur aus ÖPNV, Schulen, KiTas und Poli-Kliniken. Bestes Beispiel für diese Entwicklung ist das Wohnquartier in Neu-Lößnig in Leipzig, auch, wegen seines so benannten Einkaufscenters, im Volksmund so titulierten „Moritz-Hof“ bekannt. Ngo sieht die Rolle des Architekten in dieser Entwicklung gefragt, dass ein Umdenken im Bauen stattfinden muss; weg vom Wohnquartier hin zum integralen Quartier der kurzen Wege. „Social Design“ ist so ein Zauberwort, wie es die Online-Zeitschrift „BauNetz“ seit 2016 beschreibt. Doch statt ästhetischer Leitlinien sollte es nach dem italienischen Architekt Massimiliano Fuksas um etwas anderes gehen: „Less aesthetics, more ethics“. Architekten sollten ihre Bauprinzipien zugunsten einer ethisch vertretbaren Bau- dun Stadtentwicklung ändern und weniger ästhetischen Zauber betreiben, um irgendwelche Preise einzuheimsen. Dass dieses, von Fuksas vertretene, Prinzip ein „Neues Bauhaus“ sein soll, wie Deutschlandradio Kultur seit 2014 überschriftet, ist ein wenig architekturhistorisch zu weit gegriffen. Was aber viele Architekten mittlerweile verstehen ist die Verwendung natürlicher und regional erreichbarer Materialien in Verknüpfung mit moderner Technologie.

Neu gebaut muss in Leipzig nur selten. Wenn es aber um eine neue Aufwertung der Wohnquartiere gehen muss, dann sollten die planierten Innenhöfe der Altbaukarrees auf folgende Funktionsverschiebungen geprüft werden; KiTa-Standorte im Mini-Format, Tief- und Hochgaragen, Mini-Supermärkte bzw. Ladengeschäftszeilen mit Zufahrtmöglichketen und, auch von Wohnungen erreichbaren, integrierten Grünflächen. Progressive Ideen, die in der Leipziger FDP und beim Präsident der Sächsischen Eigentümervereinigung Haus und Grund René Hobusch (FDP), aber auch bei der Leipziger CDU und SPD, angekommen sind, jedoch nicht bei Linken und Grünen. Obwohl diese, durchaus ökologisch-sozialen, Ideen, wie sie der Verfasser dieser Zeilen auf Artefakte seit 2012 publiziert und auch in der LEIPZIGER ZEITUNG 2015-2016 formuliert hat. Würden beispielsweise zu Stadtteilparks begrünte Tief- und Hochgaragenanlagen zu von Autos entleerten Wohn- und Nebenstraßen führen, würden wohnortnahe KiTAs das Auto stehen lassen, Geschäftszeilen in den Karree-Kernen, womöglich auch in den Hauptstraßen, den Autoverkehr minimieren. Dabei sind Bauordnungen und Baurechte zu überprüfen, aber auch Baugrund und die Förderungen durch öffentliche Mittel. Die Zukunft sieht autolos bzw. autoarm aus. Die Verdichtung von Wohnquartieren auf soziale und kulturelle Grundprinzipien des menschlichen Zusammenlebens wird zu neuen Inklusionseffekten führen, menschlichen Zusammenhalt die Solidargemeinschaft stärken. Das Wohnen am Bayrischen Platz, wie sie derzeit propagiert wird, erfüllt diese zukunftsweisenden Prinzipien nur ansatzweise. Dass Bäume auch aufs Haus gehören können, zeigen unterschiedliche Beispiele weltweit, auch in Europa, wenn dort auch nur modellhaft. Im Zuge steigender Verdichtungsprozesse in den Städten ist die Verknüpfung von Natur und Wohnen unumgänglich.

Weiterführende Links:

https://www.soziale-architektur.de/artikel-details/soziale-architektur-ist.html

https://www.detail.de/artikel/soziale-architektur-und-die-rolle-ihres-architekten-13247/

https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Hans_Sauer_Preis_vergeben_4733693.html

https://www.deutschlandfunkkultur.de/neuer-stil-soziale-architektur.1005.de.html?dram:article_id=293522

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