Leipziger Buchmesse 2020 wegen SARS-Virus abgesagt – Dennoch werden tolle Kunstbücher veröffentlicht

Daniel Thalheim 

Die Leipziger Buchmesse findet nicht wie geplant vom 12. bis 15. März statt. Gleiches gilt für das im Verbund stattfindende Lesefest „Leipzig liest“ und die „Manga-Comic-Con“. Noch Ende Februar hieß es, dass die Buchmesse stattfinden wird. Auch am 3. März 2020 wurde von einer Absage Abstand genommen. In Mitteldeutschland macht sich das SARS-Virus „Corona“ breit und bringt auch hier die Menschen zur Vorsicht.

Absage ist eine Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums

Das Gesundheitsamt Leipzig ist, laut Meldung der Leipziger Stadtverwaltung, der Aufforderung des Bundesgesundheits- und des Bundeswirtschaftsministeriums gefolgt, dass eine Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein muss. Die Ministerien und auch das Leipziger Gesundheitsamt empfahlen den Messe-Organisatoren dringend, dass jeder Messeteilnehmer schriftlich belegen muss, nicht aus definierten Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu Personen aus Risikogebieten gehabt zu haben. Angesichts von rund 2.500 Ausstellern und rund 280.000 erwarteter Besucher sei diese Informationsabfrage nicht sicherzustellen. Die Stadt Leipzig und die Leipziger Messe beschlossen daher die Absage.

„Die Gesundheit unserer Bürger und der Stadt steht für uns an erster Stelle“, betont Burkhard Jung, frisch wiedergewählter Oberbürgermeister der Stadt Leipzig. „Die Entscheidung über die Absage der Leipziger Buchmesse wurde auf Grundlage der Empfehlung der zuständigen Fachbehörden getroffen. Sie allein verfügen über die notwendigen Fachkenntnisse und Kompetenz zur Lagebeurteilung.“

„Sicherheit geht vor“, sagt auch Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe. „Die Leipziger Buchmesse ist ein Fixpunkt der deutschsprachigen Literatur, ein Höhepunkt im Messekalender der Buchbranche. Vor diesem Hintergrund haben wir seit Ausbruch von Covid-19 laufend unsere Sicherheitsvorkehrungen auf dem Messegelände erhöht, um die Gesundheit der Aussteller, Besucher, Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Doch angesichts der aktuellen Situation schätzen wir im Einklang mit dem der Stadt Leipzig das Risiko für die Gesundheit unserer Aussteller, Besucher, Gäste und Mitarbeiter bei der Leipziger Buchmesse als zu groß ein.“

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse: „Wir bedauern zutiefst, dass wir diesen Schritt gehen und die beiden Messen absagen müssen. Solch eine schwere Entscheidung mussten wir in den letzten sieben Jahrzehnten der Leipziger Buchmesse noch nie treffen. Sie ist bitter für uns und für die gesamte Buchbranche. Ich danke allen Ausstellern, Partnern und Besuchern, die uns die Treue halten. Wir bitten sie jetzt um Verständnis und wir freuen uns, wenn wir uns zur nächsten Leipziger Buchmesse am 18. bis 21. März 2021 wiedersehen.“

Ministerpräsident Michael Kretschmer betonte: „Unser Ziel ist es, die sächsische Bevölkerung zu schützen und eine Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen und zu bekämpfen. Dafür gilt es, konsequent, präventiv und verantwortungsbewusst zu handeln. Die Leipziger Buchmesse ist Treffpunkt für hunderttausende Menschen aus der ganzen Welt. Gesundheit und Sicherheit gehen in diesem Fall ganz klar vor.“
Gesundheitsministerin Petra Köpping sagte: „Die Absage der Buchmesse ist eine sehr traurige, aber richtige Entscheidung. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung geht vor. Die Entscheidung zeugt von großer Verantwortung für die Besucher, Autoren und Verleger, um die vor der Ausbreitung des Coronavirus zu schützen. Auch wenn die Absage der Buchmesse sehr schmerzt, Leipzig ist und bleibt eine international bedeutsame Buchstadt. Ich hoffe sehr auf das Verständnis der Lesefreunde, die sich auf die Messe gefreut haben.“

Offenkundig fanden vor der Absage tiefgehendere Gespräche zwischen allen beteiligten statt. Denn so ein Event ist schließlich auch ein wirtschaftlicher Faktor. Dass der Gesundheit aller Vorrang geleistet wird, ist umso verdienstvoller angesehen. Denn das Gesundheitsamt der Stadt Leipzig verweist auf die aktuelle Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, das die Risikobewertung für die Weiterverbreitung des Coronavirus am Montag von „gering bis mäßig“ auf „mäßig“ angehoben hat. Es handele sich um ein neuartiges Virus, dessen Eigenschaften noch erforscht werden müssen. Bisher ist bekannt, dass auch Menschen ohne Krankheitszeichen das Virus übertragen können. Dieser Umstand mache Präventionsmaßnahmen bei Großveranstaltungen sehr schwierig.

 

Was in diesem Frühjahr auf den Kunstfachbuchmarkt geworfen wird

Der modo-Verlag veröffentlichte bereits 2019 ein interessantes Buch zur Leipziger Malerei. Die Publikation erschien anlässlich einer generationenübergreifenden Gruppenausstellung und umfasst die Geburtsjahre der Künstlerinnen zwischen 1958 und 1982. Sowohl figürliche Malerei Leipziger Prägung als auch die Entwicklung der Abstraktion aus ihr heraus, wird in diesem Buch deutlich. „Fremde Mächte – Malerei aus Leipzig“, so der Titel des Buches, schält nicht nur die weibliche Seite der Leipziger Kunst heraus, es wird außerdem noch mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass die dicken Fische männlich seien. Neben bekannten Vertreterinnen des figurativen Leipziger Stils wie Rosa Loy und Katrin Brause zeigt das Werk auch Positionen zwischen Gegenstand und Abstraktion und bietet eine Plattform für rein abstrakte Ausprägungen, wie etwa die Werke von 
Henriette Grahnert und Franziska Holstein.

Ebenfalls schon 2019 erschienen ist das Buch „Raffael“ von Ulrich Pfisterer. Warum der Renaissancekünstler heute immer noch so interessant ist, zeigt ein Blick hinter die Kulissen. So entsteht ein erstaunlich modernes Bild dieser scheinbar alten Position Raffaels. Ulrich Pfisterer rekonstruiert die Zusammenhänge zwischen dem tatsächlichen Leben des Künstlers, seiner wirkungsvollen Selbstinszenierung und den verklärenden Vorstellungen von Zeitgenossen und Nachwelt. Raffaels vielfältiges Werk wird durch den Kunsthistriker umfassend ins Licht gestellt: von den berühmten Madonnenbildern über die großartigen Fresken im Vatikan bis hin zu seinem Wirken als Architekt, Dichter, Antiquar und Theoretiker. Als Leiter einer großen Werkstatt bewies das Multitalent viel unternehmerisches Geschick und nutzte als einer der ersten die Druckgraphik zur Verbreitung seiner Bildideen und zur Etablierung seines europaweiten Ruhms.   Der Verlag C.H. Beck, wo „Raffael“ erschienen ist, hält eine ganze Parade interessanter Veröffentlichungen bereit, die sich thematisch vom Mittelalter bis in die zeitgenössische Moderne erstrecken.

Der Cantz Verlag veröffentlicht mit „Drucksache Bauhaus“ eine Retrospektive auf das vergangene Bauhaus-Jahr 2019. Zwei Autorinnen zeichnen mit dem Werk, begleitend zu einer Ausstellung in den Staatlichen Kunstsammlungen Stuttgart, die Anfänge der Weimarer Druckwerkstatt nach. Das Buch präsentiert die zwischen 1921 und 1924 publizierten Mappen gemeinsam mit weiteren am Bauhaus gedruckten Arbeiten von Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer. Weitere Neuerscheinungen komplettieren das Bild des Verlags, der sich auf die Klassische Moderne und Zeitgenössische Kunst spezialisiert hat.

Der Leipziger Kunstverlag Seemann gibt eine große Werkmonographie zum Schaffen des Expressionisten Otto Müller heraus. Auch hier wird im zweibändigen Buch in Tiefe und Breite das Gesamtwerk des Künstlers ausgeleuchtet, neu sortiert und mit Provenienzen gesichert. Weitere Neuerscheinungen aus dem Leipziger Verlagshaus beschäftigen sich mit Werken aus der Gemäldegalerie Berlin, Bauhaus, Impressionismus in Leipzig und Fotografie der Moderne.

Auch Dumont gibt neue Bücher an die Kunstinteressierten weiter. Ungefähr 200 Aussteller, nicht nur aus dem Verlagswesen sondern auch Kunsthochschulen, private Künstler, Grafiker und Werkstätten, hätten am langen Buchwochenende ihre Neuigkeiten ausgestellt. An dieser Stelle bleibt Artefakte nur übrig auf die Ausstellerliste der Buchmesse 2020 hinzuweisen und dem Leser über diesen Weg die neueste Kunstliteratur nahezubringen.

 

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