Wie eine große Familie: Marcus Katscher von Long Voyage im Interview

Long Voyage beim "Swimmingpool" 2011 (Foto: Daniel Thalheim)
Long Voyage beim „Swimmingpool“ 2011 (Foto: Daniel Thalheim)

Am 3. Mai 2011 traten die Singer-Songwriter beim Swimmingpool auf. Die Band um Nicolas Huart tritt musikalisch mit leisen Tönen auf, doch gerade das ist genau die Musik, die heute viele Leute hören wollen. Schlagzeuger Marcus Katscher erzählt, um was es bei Long Voyage geht und wem sie diesen Auftritt zu verdanken haben. Ein Interview vom 29. April 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Hallo, seit einiger Zeit seid ihr nicht nur in Leipzig schwer unterwegs: Könnt ihr unseren Lesern einen kurzen Abriss geben, was in den letzten 12 Monaten bei euch passiert ist?

Im Frühling 2010 haben wir unsere aktuelle Spring Fair EP veröffentlicht. Daraufhin hieß die Devise ‚Konzerte, Konzerte, Konzerte‘. Seitdem haben wir über 30 Konzerte in Deutschland, Kanada und Frankreich gespielt. Zudem ist Daniel mit seinem Akkordeon zu uns gestoßen und hat uns musiklaisch nochmal um einiges bereichert.

Warum hat es Nicolas Huart ausgerechnet nach Leipzig verschlagen?

Es gibt meist nur eine plausible Erklärung für solch einen Schritt.

Das kann nur die Liebe sein. Mögt ihr die Messestadt und warum?

Ja, sehr. Wir fühlen uns unglaublich wohl hier. Auch wenn es eine Großstadt ist, hat man das Gefühl, dass das Leben nicht so unpersönlich ist wie zum Beispiel in Berlin. Man läuft sich über den Weg. Leipzig ist wie eine große Familie.

Folk aus Kanada und USA ist schwer angesagt derzeit. Gerade wenn man nach Kanada blickt, tut sich einiges dort. Wer außer Miss Emily Brown und die (leider) verstorbene Taylor Mitchell sollte ein Leipziger noch kennen?

Wen man im Auge behalten sollte ist Dan Mangan. Der hat noch großes vor sich. Sein Debütalbum Nice, Nice, Very Nice ist wirklich großartig. Ansonsten ist von meiner Seite her noch Wendy McNeill, The Burning Hell, The Mountains And The Trees, The Wind Whistles und Destroyer zu erwähnen. Und nicht zu vergessen Friend of all the World die wie wir auf dem Label „Thanks for the Postcard“ sind. Alles sehr hörenswerte kanadische Künstler.

Wie seht ihr die Singer-Songwriter-Szene in Deutschland, speziell in Leipzig?

Wenn man seine Augen offen hält merkt man, dass die Szene wirklich unglaublich aktiv ist. Es passiert sehr viel. Und man hat ständig das Gefühl, dass jeder mit jedem auf irgendeine Weise verknüpft ist. Die Szene lebt von den Verbindungen zwischen den Künstlern. Jeder hilft jedem wo er kann. Und es ist toll ein Teil des ganzen zu sein. Das gilt natürlich auch alles speziell für Leipzig. Man lernt sehr schnell viele nette Leute kennen.

Produziert ihr eure Alben selbst?

Alle bisherigen Veröffentlichungen haben wir komplett selbst produziert. Insofern es unsere Möglichkeiten zulassen soll das auch vorerst so bleiben. Mit der Zeit entwickelt man aber natürlich einen großeren Anspruch an sich selbst. Da kann es in Zukunft schonmal vorkommen, dass man einen befreundeten Tontechniker um Hilfe fragt.

Wie wichtig sind solche Netzwerke wie Analogsoul für die Independent-Szene?

Wie schon erwähnt, die Szene lebt von diesen Netzwerken und Verbindungen. Es ist sehr wichtig, dass es nicht nur gute Musiker gibt sondern, dass auch engagierte Menschen diese Künstler auf einer Plattform zusammenbringen. Die Jungs von Analogsoul sind in Leipzigs bzw. Deutschlands Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken.

Könnten Modelle wie Analogsoul auf Dauer tragfähig sein?

Hoffentlich. Da kenn ich mich aber leider zu wenig mit der finanziellen Seite solcher Labels aus. Ich kann jetzt nur vermuten. Ich denke, dass sich solche Projekte ganz gut selbst finanzieren können, sodass am Ende +-0 auf der Abrechnung steht. Verdammt schwierig wirds aber wenn man seine Brötchen damit verdienen will.

Gibt es aus eurer Sicht eine Krise im Musikmarkt?

Auch wenn es oft von dem Majors so dargestellt wird, sehe ich für mich keine Krise. Es ist mehr eine Umverteilung. Man muss langsam verstehen, dass der Verkauf von Tonträgern nicht mehr die Haupteinnahmequelle ist. Das Konzert ist meiner Meinung nach der Mittelpunkt der Musikindustrie geworden. Man könnte wahrscheinlich noch viele weitere Stunden über das Thema philosophieren. Bevor ich mich jetzt aber in Rage rede, belass‘ ich es mal bei dem entscheidenden Punkt.

Beim Swimmingpool-Konzert am 3. Mai ist auch Oliver Haas mit seiner Band dabei: Was euch bewogen, ihn mitzubringen?

Um ehrlich zu sein, hat der Oliver uns gefragt ob wir Lust haben mit ihm zu spielen. Wir wurden angesprochen und haben natürlich dankend angenommen.

Wie wichtig ist so eine Konzertreihe für Leipziger Bands?

In Verbindung mit dem „popoolär“-Sampler ist das ein sehr cooles Konzept. Zumal es auch nicht auf ein bestimmtes Genre ausgelegt ist. Wenn man sich einer bestimmten Szene bewegt neigt man dazu nicht über den Tellerrand zu schauen. Durch die „Swimmingpool“ Konzerte und den „popoolär“-Sampler merkt man plötzlich, dass es nicht nur Folk und Singer-Songwriter Musik in Leipzig gibt. Von Elektro über Jazz bis Hardcore ist hier alles sehr verbreitet.

Vielen Dank für das Interview.

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