Rock’n’Roll Bildungsauftrag: Return To Peeze im Interview

Return To Peeze live beim R'n'R Overdose 2011 (Foto: Daniel Thalheim)
Return To Peeze live beim R’n’R Overdose 2011 (Foto: Daniel Thalheim)

Waschechter Rock’n’Roll hat’s schwer heutzutage. Es sei denn, er kommt aus den USA oder England, oder man spielt gleich Metal. Aber der Sound, der aus dem Blues geboren wurde und wie von Motörhead & Co. schneller gespielt wird, fristet ein Mauerblümchendasein. Es sei denn, man gröhlt auf Deutsch durch die Charts, was Return To Peeze nicht vorhaben. Ein Interview vom 10. Mai für die Leipziger Internet Zeitung.

Return to Peeze, wer ist das eigentlich genau und wie lange gibt es euch schon?

Kretze: Es ist an dieser Stelle unabdingbar, klarzustellen, dass es sich bei Return To Peeze um eine Band handelt, die aus vier Musikern besteht.
Pademmer: Uns gibt es seit 1999.

Eine EP-Veröffentlichung und ein Live-Album: Es scheint ihr seid eine reine Live-Band, oder?

Rappsen: In erster Linie liegt die Motivation eine Band zu gründen darin, auf die Bühnen zu gehen und soviel wie möglich live zu spielen. Weil dadurch die meisten Erfahrungen erlangt werden und die Band als solche fest zusammenwächst.
Kretze: Live zu spielen ist für unsere Band absolut prägend. Aus diesem Grund haben wir auch das Live-Album veröffentlicht. Es dokumentiert unsere Art zu spielen bis dahin am besten.

Was kommt als nächstes von euch?Nose: Ein neues Album. Wir haben gerade Bock ein neues Album zu machen.
Kretze: Ja, da muss ich ihm wirklich mal zustimmen.
(Nose: lacht )
Kretze: Wir schreiben gerade Songs, sammeln Ideen und denken uns crazy shit aus. Am Ende wird ein Album herauskommen, dass Veröffentlicht wird und absolut hundertprozentig unseren Vorstellungen von einem momentanen Return To Peeze Album entsprechen wird.
Pademmer: Völlig richtig!Die Musikwelt spaltet sich in Liebhaber der guten alten LP, vielleicht sogar CD und in mp3-Liebhaber auf. Welchen Tonträger favorisiert ihr?Nose: Kassette ist geil… und Grammophon auch.
Kretze: Ganz ehrlich. In einem stillen Raum höre ich am liebsten Platte, wenn ich durch die Straßen laufe am liebsten mp-3 und wenn wir in einem Bus unterwegs sind, welcher einen integrierten und somit fest eingebauten CD- Player besitzt, dann höre ich komischer Weise am liebsten CD. Klingt das irgendwie abgespaced? (schaut Nose, Rappsen und Pademmer an)
Rappsen: Nein, ganz und gar nicht. Musikhören basiert Heutzutage auf einer Art Baukastenprinzip. Du brauchst halt immer das richtige Format.
Pademmer: Welches Format du magst ist dabei eigentlich egal, entweder willst du Musik hören oder nicht.

Denkt ihr, dass Downloads jungen Bands helfen können, bekannter zu werden?Kretze: Keine Ahnung, klar kann man in der digitalen Welt damit bekannter werden, aber es ist immer die Frage, ob dir das in der realen Welt was bringt. Wenn es dir nichts weiter bringt als Clicks und das Wissen darüber, dass gerade irgendein Myspace Programmierer von der Cash-Cow-Abmelk-Generation mit deinen Songs indirekt Kohle verdient, Pepsi trinkt und mehr Zeit zum Joggen hat als du, dann würde ich aufhören an Downloads zu glauben.Wie sieht es mit illegalen Downloads aus – wird das Thema nur aufgebauscht, oder verhalten sich Downloader wirklich falsch?Nose: Wer sich Musik zum kaufen nicht leisten kann, sollte sie klauen.
Kretze: Obwohl „Analog-Musik-klauen“, einen viel größeren Wert hätte. Es gibt aber Alben, die begleiten dich vielleicht dein Leben lang. Die sollten gekauft werden. Wenigstens irgendwann.

Welchen Stellenwert hat eigentlich Rock ’n‘ Roll in der hiesigen Musiklandschaft eurer Meinung nach?

Rappsen: Ich denke, die Bedeutung von Rock`n`Roll nimmt in der Musiklandschaft wieder zu.
Kretze: Ja, die Leute fangen wieder an nach echten Menschen auf der Bühne zu suchen, nach Menschen die einfach das ausleben, was sie wirklich gerne tun, ohne Hintergedanken.
Rappsen: Und das ist Rock`n`Roll!
Kretze: Zwischen grinsenden Schaufensterpuppen und gepimpten, ranzigen Auto-Tune-Cher Vocals, die im Radio gerade die Macht übernommen haben, sollten die Menschen für Rock`n`Roll Platz schaffen. Das ist ja schon fast eine Art Bildungsauftrag, aber damit müssen sich die Streber-Radioredakteure beschätigen. (Lacht ) … Crazy Bob.

Wird die Musikszene in Mitteldeutschland eurer Meinung wahrgenommen in der Öffentlichkeit, wie es sollte?

Nose: Tokio Hotel, Silbermond und Clueso? Ich weiß nicht ob sie wahrgenommen wird.

Was passiert eigentlich im Live-Sektor gerade? Sind Veranstalter immer fair zu euch?Pademmer: Die Menschen gehen halt immer dahin, wo sie gerne hin wollen.
Rappsen: Ja, sie gehen halt zu der Sache, mit der sie sich Identifizieren wollen. So lief es im Live-Sektor schon immer und so wird es auch weiter laufen. Veranstalter die mit uns im Kontakt stehen, sind im übrigen immer fair zu uns.Ihr spielt nicht das erste mal in Leipzig, speziell im Absturz: Wenn ihr kommende Woche in Leipzig seid, was können Rock-Fans erwarten?Nose: Echter Rock `n `Roll sollte auf jeden Fall NICHT versuchen, Erwartungen zu erfüllen. Aber was kann man erwarten? Eine Band, die halt das tut was sie tut, auf die Art und Weise wie es ihnen gefällt. Mal Schleppend, mal schnell, laut…
Kretze: …mal leise, mal abgespaced…
Rappsen: … mit Schlagzeug und Pademmer…
Pademmer: Danke. Ich weiß das zu schätzen.

Welche Band könnt ihr aus der Region Leipzig/Halle besonders empfehlen, die man unbedingt entdecken sollte?

Kretze: Da gibt es eine Menge, lieber Daniel. Ich beginne an dieser Stelle mit einer Aufzählung: Widow Peoples Pub, Star Roxx, Nickajacks, Parasoul, Mickey the sick, Baby Universal, 206, Headless Horseman… Und die Coverfraktion: Jailbreakers, Nervous Breakdown, Animal Boys, Starfuckers , etc. Ich denke das reicht erst einmal. Man muss die Leute ja nicht ständig überladen.

Herzlichen Dank für das spannende Interview. Hier noch ein schönes Video.

::
::
Das Review zu „Destruction City“ vom 18. April 2011 für die Leipziger Internet Zeitung

Man mag es nicht glauben, dass The Damned, Guns’n’Roses, Thin Lizzy und Motörhead in Halle/Saale wohnen. Return To Peeze heißt eigentlich die Kapelle, die seit 1999 ständig auf Tour ist und 2008 anscheinend nur dieses eine kleine Live-Juwel aufgenommen hat: „Destruction City“ heißt die Scheiblette.

Heiß dampfender Rock’n’Roll der alten Schule mit einer gehörigen Portion Blues zimmern die vier Musiker von Return To Peeze auf „Destruction City“, das am 22. September 2007 live im „Objekt5“ in Halle aufgenommen wurde und am 1. Oktober 2008 erschien.Die darauf im Originalsound gegossenen 14 Songs fangen die typische Live-Atmosphäre ein. Grund genug, die Scheibe, wenn auch spät, zu würdigen, kann sie doch locker in jeder Rock’n’Roll-Sammlung stehen ohne an sprödem Glanz zu verlieren, die nunmal eine Live-Aufnahme und diese besonders in sich trägt. Die aufwändig gestaltete CD könnte fast schon wie ein Lebensabschnittswerk sein, wenn es nicht das einzige Dokument wäre, das Return To Peeze eingespielt haben.