8.000 Augen sehen besser als zwei: 3Apes Band im Interview

Convertible Rock mit 3Apes Band (Foto: Daniel Thalheim)
Convertible Rock mit 3Apes Band (Foto: Daniel Thalheim)

Lange nichts gehört von den Rock’n’Rollern von der 3Apes Band. Drei Leipziger Äffchen machen Musik und sind bis vor wenigen Jahren recht erfolgreich gewesen. Dann eine lange Pause, jetzt ist das Trio wieder zurück. Ein Auftritt am 21. Mai im Beyerhaus soll alte und neue Fans locken. Robert (Plaisancier) und Robert (Elektrozoo) melden sich im Interview zu Wort. Vom 5. Mai 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Hallo, Robert, hallo Robert. Stellt euch mal kurz vor, wer euch noch nicht kennen sollte.

Elektrozoo: Wir sind die 3apes Band und machen Convertible Rock. Wir sind die Affen dieser Stadt und machen Musik für Affen dieser Stadt, und das zu Dritt: Wir haben Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang. Ich spiele Gitarre und singe.

Plaisancier: Ich bin Robert, der Basser.

Heißt der Dritte im Bunde auch Robert?

Plaisancier: (Lacht) Nein, wir versuchen ihn aber zu überzeugen, sich umzubennen…, im Ernst: Es ist Christian, der das Schlagzeug bedient. Drei Affen ist aber ein schönes Stichwort, denn in Leipzig leben 500.223,5 Bands, um daraus ein wenig heraus zu stechen, muss man schon was affiges machen, ohne dass es abstrakte Kunst ist oder Schnickschnack auf der Bühne gemacht wird. Wir lieben Rock über alles, versuchen das mit dem heutigen Zeitgeist in Verbindung zu bringen.

Es gab ja immer wieder klassische Trios in der Musikgeschichte, seht ihr euch auch in dieser Tradition?

Elektrozoo: Das schon, aber das war nicht der Weg unserer Band. Der Proberaum war nur zu klein…

(Lachen)

… und zudem hat sich das durch Zufall so ergeben.

Jetzt steht in Bälde ein Konzert im Beyerhaus an. Habt ihr neue Songs, gar ein neues Album mitgebracht?

Elektrozoo: Ein neues Album und neue Songs haben wir zwar in petto. Wir wollen aber mit der Veröffentlichung noch warten, weil noch an den Songs gefeilt werden muss. Bei uns ist das so, dass wir live die alten Stücke immer noch spielen, aber die verändern sich auch mit der Zeit. Auf Platte bleiben die Songs unveränderlich, die hört man immer wieder. Da Spannung zu schaffen, die man immer wieder hören kann, braucht Zeit, Geduld,…

… Nicht wie bei Bands wie Motörhead, die…

Elektrozoo: … monoton das gleiche machen.

Plaisancier: Das kommende Werk wäre das dritte Album, das in Arbeit ist. Aber wie schon Robert eben gesagt hat, sind wir eine große Liveband und haben die Herausforderung, dass ganze im Studio irgendwie nach einem Live-Konzept klingen zu lassen. Wir haben in den letzten Jahren viel dazu gelernt, was man im Studio eigentlich machen, aus der Musik noch heraus holen kann. Man kann zwar eine Platte von uns immer und immer wieder hören, aber wenn wir die Lieder live spielen, verändern die sich, also anders intoniert und anders improvisiert. Das auf Platte einzufangen, erfordert mehr Zeit. Da wir nicht den Druck haben, Schlag auf Schlag LPs veröffentlichen zu müssen, sind wir etwas geduldiger. Die letzten Platten waren super, aber wenn man sich die Scheiben mit etwas Zeitabstand anhört, hätten wir rückblickend das eine oder andere gerne anders gemacht. So gehen wir ganz entspannt an die Lieder ran, tüfteln ein wenig, überlegen, was man alles so machen kann.

Da wäre es ein super Format für euch, ständig Liveplatten heraus zu bringen, wie es Pearl Jam machen und so ganze Tourneen dokumentieren…

(Lachen)

Plaisancier: Klingt nach einer guten Idee!

Elektrozoo: Aber das ist ein logistischer und technischer Aufwand, den wir leider nicht bewerkstelligen können.

Return To Peeze haben vor Jahren mal ein Live-Album gemacht…

Elektrozoo: Ein Livealbum haben wir auch heraus gebracht, … das mit Johnny Winter damals 2006 beim Courage Zeigen-Jugendfestival im Anker. Ab und zu schneiden wir Gigs mit, verkaufen das aber nicht, sondern geben die als Bootlegs kostenlos an unsere Fans, als Download.

Wie steht ihr generell zu Downloads?

Elektrozoo: Ich empfinde es persönlich so, dass Tonträger eher Werbemittel für die Bands geworden sind, wie eine Art Flyer. Jemand der die Musik auch wirklich mag, zahlt aus Respekt einen Preis für eine LP. Weil aber nicht jeder zehn Euro für eine Platte zahlen will, nur um eine Band kennenzulernen, sind Downloads völlig okay.

Clueso verschenkt ja Alben, wenn die Leute zu den Konzerten kommen…

Plaisancier: Super!

Elektrozoo: Das machen wir genauso.

Plaisancier: Man darf das nicht so verstehen, dass es nicht nur um Kohle geht. CDs kann man auch preiswert gestalten. Es ist zum Beispiel affig auf Konzerten, wo junge Leute sind und nicht viel Geld haben, denen noch mit irgendeinem Merchandisingstand entgegen zu gehen. Ich glaube, die Fans nehmen letztlich mehr mit, wenn ihnen die Band eine signierte CD runter gibt, dann ist es etwas, was sie von der Band direkt in der Hand haben, mitnehmen können. Anders als wenn jemand am Stand steht und ihnen die Sachen für teuer Geld anbietet. Ich glaube, da muss man einen Kompromiss eingehen, denn es geht darum, die Leute zu bewegen und nicht das Maximum an Geld aus ihnen heraus zu leiern. Wenn etwas hängen bleibt ist es schön, aber das steht echt hintenan bei uns.

Kann man sich das Konzert im Beyerhaus so vorstellen, dass ständig CDs ins Publikum herunter segeln?

Plaisancier: Wir haben immerhin schon organisiert, dass das Konzert kostenlos ist.

Also müssen die Leute also doch eure Alben kaufen…

Elektrozoo: Genau, das ist dann der Austritt.

(Lachen)

Plaisancier: Hahahaha, ja, wir nehmen keinen Eintritt, dafür Austritt, … sehr gut!

Was bekommen die Fans denn von euch sonst geboten auf der Bühne?

Elektrozoo: Sie kriegen drei ungebändigte Musiker in einem sehr mitreißenden und groovenden Sound. Unsere Musik kann man als einfach oder schlicht bezeichnen. Zum Beispiel ich als Gitarrist habe nur ein Effektgerät, das ist ein Verzerrer, sonst nichts. Ich habe kein riesiges Tretpult, wo ich den Hampelmann drauf mache. Ich habe einen Telecaster, was die schlichteste Gitarre überhaupt ist, einen guten alten Amp, der nicht so alt ist, aber einen ziemlich klaren Sound bringt und diesen Verzerrer. Alles andere an Effekten mache ich per Hand.

Plaisancier: Das was als Powertrio anklang, … wir machen schon ein Weilchen Musik miteinander und die Leute merken, dass wir kein konkretes Vorbild haben. Wir hatten seltenst Konzerte, wo wir keine Leute bewegt haben. Du hast die Kritiker, die von Grund auf nicht tanzen können und die, die tanzen wollen, machen das auch. Zu dritt zu spielen klingt danach, dass es schwierig ist viel Druck aufzubauen. Aber wie es Robert gesagt hat, wirkt die Gitarre nicht überfrachtet und effektüberladen durch ihren melodischen Einsatz. Der Bass begleitet nicht nur stumpf die Gitarre, sondern bietet an vielen Stellen einen Konterpart und schafft so einen Groove, der auf die Leute wirkt. Das Schlagzeug sorgt dafür, dass alles nach vorne geht. Das, was wir den Leuten mitgeben wollen, ist, dass sie mal abschalten können. Jeder hat Stress im Alltag, den sie mal abtanzen können. Einfach mal die Seele baumeln lassen. Wir wollen die Fans nicht mit irgendwelchen Botschaften strapazieren, sie sollen einfach tanzen. Wir wollen die Leute mitnehmen.

Das hört sich nach guten alten Rock’n’Roll an…

Elektrozoo: So isses!

Plaisancier: Mit dem Zeitgeist von heute! (Lachen)

Gibt es noch mehr Neues in diesem Jahr von euch, … eine Schallplatte, eine Musikkassette, … wo doch alles so Retro ist?

(Lachen)

Plaisancier: Musikkassette, sehr schön…

Elektrozoo: Kommen wird definitiv etwas, wir werden nur nicht sagen wann. Zumindest beim neuen Album nicht.Die alten Sachen kann man jederzeit über unsere Homepage noch kaufen. Darüber kann man uns anschreiben und eine CD kaufen. Das letzte Album ist jedenfalls sehr rar geworden…

Plaisancier: … die sind sogar alle handsigniert…, vom letzten Album hatten wir eine Auflage von 3.500 Stück gehabt, jetzt sind noch vierzig übrig.

Gefragte Gruppe, da habt ihr doch so gesehen fast 4.000 Fans…

Elektrozoo: Oder 8.000 Ohren…

Plaisancier: Klingt besser!

Oder 8.000 Augen, die euch sehen wollen… ob so viele euch am 21. Mai sehen werden?

Plaisancier: Was wir dieses Jahr noch machen wollen, ist ein gutes Musikvideo zu drehen. Das ist so eine verloren gegangene Kultur. Das letzte große Musikvideo mag vielleicht das von Guns’n’Roses „November Rain“ sein. So eine Nummer wird unser Video nicht werden, aber es erzählt auch eine Geschichte. Und das kann man auch im Low-Budget-Bereich. Ansonsten gilt es, die 8.000 Ohren zu energetisieren, dass sie am 21. Mai kommen. Jetzt sind wir etwas bourgeois gekleidet und kommen vom Seifenkistenbauen.

Elektrozoo: Wir machen am Prix de Tacot am 8. Mai mit und haben eine kleine Überraschung, selber gebaut…

Plaisancier: … mit einem starken Partner auf unserer Seite (zeigt auf einen behelmten Schweden)…

Elektrozoo: Unterstützt uns auch am 8. Mai tatkräftig!

Aber immer! Vielen Dank für das Interview.

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