Stolz wie Bolle: Alin Coen Band live auf dem Leipziger Campusfest

Alin Coen Backstage in der naTo 2010. (Foto: Daniel Thalheim)
Alin Coen Backstage in der naTo 2010. (Foto: Daniel Thalheim)

Für die Leipziger war die Alin Coen Band schon immer ein Geheimtipp. Ausverkaufte Shows waren den Musikern immer gewiss. 2010 füllte die Band die „naTo“, 2011 waren UT Connewitz und die Parkbühne am Geyserhaus an der Reihe. Startete die Band durch? Erfolgsstory? Immerhin zog die Weimarer Liedermacherin 2011 nach Leipzig. Kleinere Konzerte gab Leadsängerin Alin Coen u.a. im Horns Erben. Das Campusfest wird wieder eine größere Nummer werden. Hier ein paar aus der L-IZ erschienene Interviews und Artikel über die Zauberfrau an der Gitarre, die auch eng mit Liedermacherin Nadine Maria Schmidt befreundet ist.

Ein großes Wohlfühl-Gefühl: Alin Coen vor dem Bundesvision Songcontest im Interview

Nach eurem Konzert auf der Geyserhaus Parkbühne – welche Eindrücke habt ihr mitgenommen?

Es war so ein super schöner entspannter Abend. Das Publikum war total unterstützend und freundlich und hat bei uns ein sehr großes Wohlfühl-Gefühl hinterlassen.

Hättet ihr je gedacht, dass euer Debüt „Wer bist Du?“ so durch die Decke schießt, nachdem es im Sommer 2010 noch so trübe ausgesehen hat?

Ich hatte nie das Gefühl, dass irgendwas trübe aussah in Bezug auf unser Album. Es ging und geht stetig voran damit.

Wenn ihr in die vergangenen vier Jahre eurer Bandexistenz zurückblickt, woran denkt ihr als erstes?

Na wenn da schon das Wort vier Jahre in der Frage vorkommt, ruft das bei mir sofort Erinnerungen an unser erstes Konzert hervor. Ich hatte damals schon in den Proben zu dem Konzert das Gefühl, „das ist die Band, die ich suchte“, mit denen wollte ich zusammen Musik machen und schreiben. Es ist super, dass aus diesem Wunsch Realität geworden ist.

Viermal habt ihr seit Sommer 2010 hier in Leipzig gespielt – das ist schon fast eine Liebeserklärung an unsere Stadt, oder?

Ich glaube, das beruht auf Gegenseitigkeit. Obwohl wir so oft hier spielen, kommen mehr und mehr Leipziger zu unseren Konzerten. Leipzig war von Anfang an auf alle Fälle für uns eine sehr besondere Stadt. Seit dem ersten Bandauftritt in Leipzig im Horns Erben hatte ich das Gefühl, dass in Leipzig eine ganz außergewöhnliche Verbindung mit dem Publikum entstehen kann. Die Konzerte haben für uns was sehr familiäres, und das auch noch bei der Größe, die das Konzert jetzt im Geyserhaus angenommen hat.

Was ist der Grund für euren Umzug nach Leipzig?

Man hört so viel Gutes über die Stadt, und man spürt auch, dass da eine frische Atmosphäre ist. Weimar ist natürlich auch eine wunderschöne Stadt, und es gibt in ihr jede Menge spannende und kreative Studenten, aber viele Gleichaltrige gehen aus Weimar fort und plötzlich fehlt einem die Peergroup. Viele Weimarer zieht es nach Leipzig. Ich habe das Gefühl, dass Leipzig eine Stadt ist, in der man was erschaffen kann und in der man sich einbringen kann. Und es gibt in Leipzig sehr viel zu entdecken.

Weshalb macht ihr beim Bundesvision Song Contest mit – was erwartet ihr davon?

Es ist eine Möglichkeit, viele Menschen auf einmal zu erreichen. Wir hoffen natürlich, dass da auch welche dabei sind, die was mit unserer Musik anfangen können. Außerdem ist es dieses Jahr eine besonders nette Auswahl an Musikern, die da mitmachen. Vermutlich wird das eine spannende und spaßreiche Erfahrung.

Was könnt ihr zu eurer neuen EP erzählen – sind dort die Stücke vertreten, die ihr in der naTo und im UT Connewitz auf der Bühne ausprobiert habt?

Mindestens vier der sechs Stücke haben wir schon in der naTo und im UT Connewitz gespielt. Die anderen zwei jetzt im Geyserhaus. Was den Schaffensprozess unserer EP betrifft, war uns wichtig, das Ganze mit viel Energie anzugehen und ich glaube, das hört man auf dieser Platte sehr gut: Sie hat eine ähnliche Dynamik wie eines unserer Live-Konzerte.

Eine EP kann nur ein Vorgeschmack für ein neues Album sein – wann kommt dies?

Die EP ist ehrlich gesagt nicht nur ein Vorgeschmack, sondern das volle Hauptgericht. Das ist wie in einem sehr guten Restaurant, da denkt man erst, die Portion ist ja viel zu klein und dann isst man seinen Teller auf und denkt, das war genau richtig und man braucht nichts anderes mehr, weil man so zufrieden ist. – Aber: Irgendwann Mitte/Ende 2012 kommt unser nächstes Album raus.

Welche musikalischen Pläne gibt es abseits der Alin Coen Band?

Unser Gitarrist Jan Frisch wird dieses Jahr mit seinem Soloprogramm im Oktober auf Tour sein – u.a. am 07.10. im Horns Erben – und Philipp und Fabian sind mit ihrer Jazzband Oheim am 04.10. im Ortloff in Leipzig. Ich werde in Holland für ein Goethe-Institut-Projekt unterwegs sein. Aber wir sind mit der Band zur Zeit so fleißig am neue Lieder schreiben und musikalisch am herumstöbern, dass es sich fast so anfühlt, als wäre alleine das schon musikalisch ein Plan abseits der Alin Coen Band.

Wir sind gespannt – vielen Dank für das Interview. (Das Interview erschien am 25. September in der L-IZ)

Parkbühne Geyserhaus: Alin Coen Band lässt sich von knapp 800 Fans bejubeln

Diese Band ist einfach steigerungsfähig. Mit jedem Konzert schwillt die Zuschauerzahl in Leipzig an. Innerhalb eines Jahres hat die Singer-Songwriterin Alin Coen ganze viermal in der Messestadt Konzerte gegeben. Jetzt ist sie mit ihrer Band hierher gezogen. Für Leipziger gibt es erst einmal ein besonderes Dankeschön. Knapp 800 Gäste feiern.

Die Parkbühne platzt am sommerwarmen Abend des 10. September aus allen Nähten, aber Luft ist noch drin. Knapp 800 zahlende Gäste haben sich in Eutritzsch am Geyserhaus eingefunden, um eine Künstlerin zu sehen, die vor einem knappen Jahr mit ihrem Debüt „Wer bist Du?“ durch die Decke schoss. In Leipzig ausverkaufte naTo und ausverkauftes UT Connewitz, das Haus Auensee war mit 2.000 Leuten beim Phillip-Poisel-Konzert knapp davor. Hier trat Alin Coen solo auf, teils mit Poisel im Duett. Mit ihrer eigenen Band sorgt die nach Weimar und nun nach Leipzig gezogene Hamburgerin ebenfalls für Stimmung – Augen- und Ohrenweide ihnen zuzuhören und zu sehen.

Bevor die Alin Coen Band auf die Bühne steigt, hat noch ein anderer seinen Auftritt. Molatree heißt der Act, den die Geyserhaus-Bookerin als Straßenmusikanten von der Leipziger Petersstraße gefischt hat. Es stellte sich im Gespräch heraus, dass die Erfurter Formation Alin Coen auch gut kennt. Der Deal war perfekt, nun steht Molatree vor hunderten Gästen und zeigt sein Können. Klar dass Songs von der kommenden Scheibe „Closer“ gespielt werden und für Begeisterung sorgen.

Wer Sänger Enrico Hiller, Schlagzeuger Robert Chudasch, Bassist Norman Thomas und Cellistin Susanne Thiele beim Spiel zuschaut, weiß, dass hier Herzblut in Strömen fließt. Als Molatree ihren Auftritt mit den Worten beenden, dass die Gäste viel Spaß mit Alin Coen haben sollen, ist der Ausflippfaktor bereits extrem hoch. Denn Stück um Stück hat sich die Band 800 Fans erspielt. Relativ sicher werden hier viele das neue Scheibchen kaufen. Schon Sonntagvormittag den 11. September vermeldet die Band bei „Facebook“ Begeisterung: „… vielen Dank an alle, die uns gestern einen der wunderbartsten Gigs seit wir Musik machen beschert haben! Leipzig war der Knaller- da sind wir uns ausnahmsweise mal einig – sobald die Platte fertig ist seh’n wir uns wieder!“

Nach einer kurzen Umbaupause dann ein seltsames Geräusch von der Bühne. Bassist Phillip Martin lässt seinen Bass ertönen, Aline Coen steigt auf die Bühne – begleitet von einem berauschenden Beifall. Eine neue Scheibe hat die Band auch mit dabei, wenn auch nicht in stofflicher Form. Ihre EP „Einer will immer mehr“ erscheint am 16. September in käuflicher Form ist aber schon digital seit dem 9. September im Internet erhältlich.

So viel Zeit muss sein. Grund für das sagenhafte Konzert ist wohl der, den Alin Coen erklärt. Stets haben sie und ihre Band Leipzig für den Tourauftakt genutzt, sich verspielt, verstimmt und nun müsse man den Leipzigern einfach Dankeschön sagen, weil sie zu jedem Fehler applaudiert haben. Hinreißende Ansage und die Leipziger fressen ihr schon längst wieder aus der Hand – dann noch die Aussage, dass sie mit Bassist und Drummer nach Leipzig zieht und wohl Jan ebenfalls folgen wird – tosender Jubel. Mehr Liebe zu Leipzig geht nicht. Dann ist endlich Zeit für die Noten.

Mit Songs von ihrem Debüt „Wer bist Du?“ und neuen Titeln spielt sich die Band dieses Mal durch einen fehlerfreien Auftritt, der bewegt und überrascht. Bei neuerem Liedern wie „Chrystal“ und „Einer will immer mehr“ klatscht das Publikum freudig in die Hände. Doch wenn bekanntere Stücke wie „Wolken“, „Festhalten“, „Ich war hier“ und „Wer bist Du?“ erklingen, ist der Beifall am lautesten. Alin Coen vertieft sich ins Spiel, wiegt mit ihrer großen Akustikklampfe über die Bühne und bezaubert mit ihren Ansagen und Liedern. Für manchen Umstehenden ist die Performance perfekt. Und ja: Leipzig hat die Frau mit der süchtig machenden Stimme in ihr Herz geschlossen. So sehr, dass Schlangestehen für eine CD und ein Autogramm zum guten Ton gehört – ebenso, dass Alin Coen alles persönlich überreicht. Man sieht sich bestimmt bald wieder.

Das nächste Date wird wohl der Bundesvision Song Contest sein, wenn die Alin Coen Band für Thüringen antritt. Sachsen scheint ihr dabei schon ziemlich sicher in der Abstimmung. Aber will die Band wirklich beim Eurovision Song Contest mitmachen? Mit der Schlagerparade ist noch nie ein Staat gemacht worden. Dann schon lieber Alin Coen live on stage mit wundervollen Band und einer Atmosphäre, die man vielleicht mit einfach beglückend beschreiben kann.

(Der Artikel erschien am 11. September 2011 in der L-IZ)

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Volles UT Connewitz: Alin Coen und Miss Emily Brown lassen sich in Leipzig feiern

Das Medieninteresse ist an diesem Abend groß. Da haben wohl auch andere Pressevertreter erkannt, dass in Weimar jahrelang ein Talent schlummerte, das nun auf einer Erfolgswelle reitet. Die Rede ist von der Sängerin Alin Coen, die im vergangenen Jahr die naTo „ausverkauft“ ausrufen ließ. Heute ist Tourauftakt. Auch hier … „ausverkauft!“

Im UT Connewitz war es nicht ganz der Fall gewesen mit dem „übervoll sein“ am Abend des internationalen Frauentags. Da war aber hier und da noch Luft. Während sich der alte Kinosaal langsam füllt, bauen die Kameramänner vom MDR ihr Equipment auf. Für „artour“ dreht die mitteldeutsche Medienanstalt ein Porträt der zierlichen Sängerin aus Weimar, Alin Coen und ihre Band.

Vor einem Jahr beklagte die Band noch auf ihrer Webseite, dass keine der mit Alben bestückten Medien auf „Wer bist Du?“, dem 2010 erschienenen Erfolgsdebüt, ansprang. Das hat sich inzwischen geändert, neues Material hat die Band auch auf der Pfanne. 2011 soll das Folgewerk von „Wer bist Du?“ kommen. Doch zuerst hat eine junge Dame aus Kanada ihren großen Auftritt.

Miss Emily Brown nennt sich die schüchterne Sängerin mit der mädchenhaften Stimme. Vielen wird die aus Iroquois/Ontario stammende Musiker von ihrem Youtube-Clip zu „The Diary Of Amy Briggs“ bekannt vorkommen. Soeben wurde Miss Emily Brown für den CBC Radio Bucky Award – dem kanadischen Folk Award schlechthin – als bester neuer Künstler nominiert. Sie war auch für ihr Album „Technicolor“ für den 2010 Canadian Folk Music Award für das Stück “Pushing the Boundaries” unter den Nominierten. Und sie hat gerade ihre neue EP „Sum Of All Parts“ im Gepäck, ist das erste Mal überhaupt in Leipzig. Zum Hauptakt „Alin Coen“ eine klare Aussage – sie findet Alins Musik unglaublich.

Wie es so ist mit Folkkonzerten, die Leute reden mehr als sie singen. Die zierliche Dame tritt alleine auf, nur mit Akustikklampfe bewaffnet stellt sie einige Titel ihrer neuen EP vor, kommt aber nach einer langen Einleitungsrede schnell zum Punkt als sie den Song „The Diary Of Amy Briggs“ auspackt. Die raschelnde Stimmung mit Nebenstraßenflair erreicht das stimmungsvolle Lied heute Abend nicht, dafür klatschen hier die meisten Applaus, viele kennen (noch) nur das Lied. Der Rede-Pegel ist trotzdem noch hoch. Den vermag auch das sanfte Spieluhren-Lied „To Make Love Stay“ nicht zu durchbrechen, so dass wenig später die begabte Kanadierin unter verhaltenem Applaus von der Bühne lief. Was der Leipziger nicht kennt, vermag er auch nicht so rasch zu mögen.

Nach einer kurzen Umbauzeit wird die Alin Coen Band unter tosendem Applaus empfangen – sie hat sich ihr „Heimspiel“ in Leipzig bereits eindeutig erarbeitet. Hier zeigt sich, wer heute Abend der Star ist. Alin lächelt. Das Publikum lauscht nicht nur beim Einstiegslied gespannt, bejubelt ihn anschließend mit jauchzenden Rufen, Pfiffen und natürlich viel gepresster Luft zwischen den aufeinander prallenden Handflächen. Die familiäre Stimmung beim Konzert kommt nur in den vorderen Reihen auf, viele scheinen das erste Mal hier zu sein. Von den alten Begleitern vom ausverkauften naTo-Konzert sind nur wenige da heute.

Nach einem wiederum bejubelten Lied, den sie mit ihrem Gitarristen Jan Frisch im Duett singt, ruft sie ins Publikum „Vielen Dank! Danke! Guten Abend Leipzig! Schön, dass ihr noch da seid! Wie geht’s euch?“ – „Ja, gut“, stellt sie anschließend fest, nachdem ihr aufbrandender Applaus und Jubelrufe entgegen schallten. Das saftig und voll aus den Boxen quellende „Left Behind“ vom „Wer bist Du?“-Album folgt. Wieder rauschender Beifall, eine Reaktion, die sich noch bis zum Ende des Konzerts mit den beiden Zugabenteilen fortsetzen sollte.

Auch das Krux mit der verstimmten Gitarre, das naTo-Besucher schon kennen, entpuppt sich als der Running-Gag des Abends. Bandbegleiter Philipp Martin und Jan Frisch zeigen ihr, wie man das ordentlich macht. Alin ist sichtlich erheitert über den Umstand, das Publikum lacht mit. Die Stimmung ist gelöst, auch wenn sich niemand auf den Boden setzt und sein Picknick auspackt. „Hach“, seufzt Alin, als die Gitarre wieder sauber klingt. „Wolken“ erklingen. Jubel eingangs wie ausgangs. Seifenblasen steigen aus dem Publikum empor. „Du wirfst den Anker aus, dann bereust Du das“, singt Alin wenig später. Das Lied „Wer bist Du?“ wird unter Jubel empfangen.

Alin haucht, seufzt, lacht, singt aber auch mit verschlossenen Augen. „Ich habe ein neues Lied“, und ein neues Keyboard hat Alin Coen auch. Sie erzählt, dass das alte nun im Proberaum bleibt. Dann flüstert sie den neuen Titel ins Mikrofon. Es ist ein ruhig einsteigendes Stück, das mit psychedelischen Anleihen immer stärker anschwillt. Ist es „Ambient Peter“ gewesen, den sie schon in der naTo vorgestellt hat? Oder war es doch der „Psycho Peter“? Während einige noch rätseln, stimmt Alin wieder ihre Gitarre, von G auf E. Zwischendurch erzählt sie ihre Geschichte vom schwedischen Bullerbü, als sie zum ersten Mal auf der Bühne stand und Alin ihre Passion Musik entdeckte. Weil Stimmen und Erzählen zusammen nicht geht, schildert sie zunächst, wie sie in Schweden in ihrem Kellerchen saß und ihr erstes Lied ever schrieb. „Stream“ wird folgerichtig angestimmt.

„Wir haben etwas vorbereitet“, Alin Coen lacht. Es hieß einst „Tanz-Peter“, nun wird es als „The One“ auf das kommende Album landen. Dass die Musiker nicht dazu tanzen, obwohl sie es könnten, bedauert Alin sehr. Erheitertes Lachen im Publikum. Alin lächelt Jan Frisch an. Gitarre stimmen, noch einmal wenigstens. „Hol mich ein“, singt sie mit ihrer sanften, unnachahmlichen Stimme. Dann lobt sie ihren Support Miss Emily Brown, was mit einem aufbrausenden Applaus beantwortet wird.“Heute ist das erste Konzert unserer Tour“, fügt Alin schnell hinzu. „Wir sind froh, dass wir in Leipzig beginnen dürfen.“ Dann erklingen „Die Nähe“ und „Festhalten“, welches – wie Alin immer wieder betont – nicht von ihr selbst handelt. Leise wird mitgesungen. Alin freut sich, wiegt mit ihrer großen Gitarre hin und her, das Konzert neigt sich dem Ende entgegen.Die Band verbeugt sich mehrfach vor Leipzig, läuft von der Bühne und kommt wenig später für den ersten Zugabenteil unter euphorischem Jubel zurück, danach ein zweiter Teil. Dann heißt es vorerst mit dem französischen Lied „Amêtre“ Abschied nehmen. Schon am 9. März geht’s ins ausverkaufte „Lido“ in Berlin. Die von der Peter Rieger Konzertagentur veranstaltete Reise wird öfter „ausverkauft“ melden, oder „Konzert verlegt“, sogar „Zusatztermin“. Am 10. September ist aber Alin Coen für die Leipziger live auf der Parkbühne im Geyserhaus wieder zu sehen, wo noch mehr Leute als im UT Connewitz Gelegenheit haben, die sonnenbeschienene Band auf der Bühne zu sehen. Dann vielleicht schon mit dem neuen Scheibchen in der Hand. Miss Emily Brown ist schon am 7. Mai in Horn’s Erben im Rahmen einer kleinen Solo-Tour für die Messestädter zu sehen. Am 6. Mai ist die Kanadierin in Halle/Saale im Riff-Club, am 5. Mai in Weimar, Kasseturm.Die Geschichte um Alin und die große Musikwelt geht also munter weiter. Aus Leipzig ein klarer Daumen in der Höhe.

(Der Artikel erschien am 9. März 2011 in der L-IZ)

„Leipzig ist für uns eine besondere Stadt“: Alin Coen im großen L-IZ – Interview

Während sich die naTo langsam füllt, probt die Alin Coen Band im Konzertsaal ihre Songs und lotet im Soundcheck den Klang ihrer Instrumente aus. Bis sie zufrieden sind, vergeht ein Weilchen. Als die charismatische Sängerin freudig strahlend von der Bühne herabsteigt, ist noch Zeit bis zum Auftritt. Zeit ein Interview mit der L-IZ, über sie, ihr Album, neue Songs und Touren.

Sie redet schnell, während der kleinen gesprächigen Runde im Cateringbereich der naTo. Aufgeregt scheint sie zu sein und fokussiert auf den Auftritt gleich im Anschluss des Gesprächs. Auf der Bühne standen merklich mehr Instrumente auf der Bühne, als vielleicht auf „Wer bist Du?“ zu hören sind.

„Wir arbeiten im Unterschied zum Album mit mehr Instrumenten, um den Klang einfach facettenreicher zu machen“, erklärt Alin Coen und setzt nach: „So sind wir als Band zu hören und nicht als Solokünstlerin mit Band.“ Hastig erzählt sie auch, dass die Vier eine neue Art und Weise zum Schreiben der Lieder entwickelt haben. „Früher habe ich die Stücke allein geschrieben und arrangiert. Nun sind alle Musiker in der Band beteiligt.“

Deswegen klingen die Stücke des Debüts nun live etwas anders als auf Platte. Einen gänzlich anderen Stil wird die Band nicht fahren, wie die Besucher des Konzerts in der naTo erfahren durften. „Wir klingen wie die Alin Coen Band, die man auf Platte kennen gelernt hat, nur halt mehr nach Band als nach Alin Coen.“

Die junge Sängerin mit dem südländischen Äußeren lacht über ihr hohes Sprechtempo und schildert, warum es nun dazu kommt, dass die Band gemeinsam Lust hat, die Stücke zu komponieren und arrangieren. „Bei ‚Halo‘ fing es an, dass wir zusammen etwas gemacht haben. Dieses Stück ist also nicht aus meiner alleinigen Feder entstanden. Uns hat das gemeinsame Tüfteln so großen Spaß gemacht, dass wir anfingen, die anderen Stücke ebenfalls neu zu gestalten.“

Bevor Alin Coen und ihre drei Mitmusiker auf Tour gingen, haben sie noch kräftig geprobt. „Sechs bis sieben Stunden am Tag waren da keine Seltenheit“, so die junge Frau lächelnd. Sie könnte eigentlich bei so viel Vorbereitung viel gelassener sein. Doch offensichtlich steckt auch in ihr eine gehörige Portion Lampenfieber, denn eigentlich könnte sie angesichts ausverkaufter Clubs gelassener sein.

Das meint auch Alin Coen. „Meinen Klimax an Aufregung habe ich schon hinter mir. Ich trat bei einer Fernsehsendung am Samstag auf. Zuvor wurde mir gesagt, dass die Show vor 2 Millionen Zuschauern gezeigt wird. Ich bin gestorben vor Angst“, schildert Coen – und lacht laut.

Das Argument, dass man aber die Zuschauer nicht sieht und nicht aufgeregt sein muss, wischt Coen beiseite. Sie macht einen Schmollmund: „Einfach nur zu wissen, dass zwei Millionen zuschauen, ist schon heftig.“

Nun scheint das Feedback zu wachsen. Während Alin Coen noch vor einigen Wochen auf ihre Webseite schrieb, dass die bestückten Radiostationen ihre Stück „ich war hier“ nicht spielen würden, so beständig scheint jetzt der Zuspruch zu gedeihen, den die Medienleute ihr und ihren Songs antragen. „Vielleicht sind wir einfach keine Radioband“, sagt emsig die Musikerin mit gebrochener Stimme und ergänzt flugs: „Unser Song hat unserer Meinung nach genug Pop-Potenzial gehabt. Nicht dass wir es darauf angelegt hätten, er ist uns einfach so aus den Fingern gerutscht und war da und schien zu passen. Was aber passiert ist, dass Redakteure von verschiedenen Radiostationen mit uns Interviews machen wollen und sogar ganze Sendungen machen.“
Das ist sogar mehr wert als das abnutzende Dudeln von Liedern. Alin Coen macht nunmal keine Musik für ein schnell vergessendes Publikum, sondern in erster Linie für sich selbst. „Wir finden es schön, was wir machen und freuen uns, wenn alle das toll finden. Mehr nicht.“Alin Coen ist herzlich in allem, was sie tut. Sie weiß, dass es sicher Menschen gibt, die nichts von ihrer Musik abgewinnen können. Wie Metalheads von irgendwelchen Online-Magazinen, die bei „Wer bist Du?“ natürlich den gewohnten Planierraupensound vermissen und alles natürlich langweilig finden. „Völliger Quatsch, wenn jemand sagt, ein Lied ist langweilig. Den Leuten fehlt es einfach an Rezeptoren, sich Musik wirklich zu öffnen“, bringt es die Sängerin für sich resolut auf den Punkt.Wie sieht die Künstlerin ihr Werk, wenn schon andere darüber urteilen und mitunter falsche Schlüsse ziehen? Als Unterwassermusik bezeichnet die zierliche Frau die Musik auf „Wer bist Du?“. Ein assoziativer Begriff. „Beim erstmaligen Hören drängte sich mir das Element Wasser sofort auf.“Mit dieser Assoziation wurde auch das Cover mit der Musik abgestimmt. Inhaltlich wurde das Album in der Ich-Perspektive verfasst, aber es sind auch Geschichten darunter, die mit der Sängerin Berührungspunkte finden. „Die Stories haben überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun“, so Coen mit einem schalkhaften Schmunzeln auf den Lippen. „Es sind Geschichten auf dem Album, die irgendwann einmal mit mir in Berührung getreten sind.“

Dann schwenkt sie doch um und meint: „Die Geschichten sind schon recht nah dran, was ich vor einigen Jahren gefühlt hatte“, hakt sofort selbst nach und erklärt: „Einige Inhalte sind nicht von mir, sondern wurden mir erzählt. Ich habe sie lediglich in die Erzählebene meines Ichs übertragen.“Bis Ende September befindet sich Alin Coen mit ihrer Band auf Gastspielreise. So mancher wird schon angesichts der vielen Orte und Termine tourmüde. „Wir planen doch nicht so eine Tour, weil wir keine Lust darauf haben.“ Alin Coen lacht lauthals. „Wir haben total Bock auf die Bühnen zu gehen, touren Jahr für Jahr. Wir waren schon oft bei euch in Leipzig. Gerade weil wir die Stücke neu arrangiert haben, sind wir total heiß darauf live aufzutreten. Wir freuen uns auf jedes Konzert und werden das Tourleben ganz schnell vermissen, wenn wir im Studio sind.“Für die Band ist es wichtig, die Reaktionen bei ihren Konzerten aufzufangen. „Es findet ja eine Kommunikation statt, was unheimlich spannend ist. Wir lieben es und finden es jedes Mal aufregend.“ Bedenken wegen des Sounds wischt sie beiseite und freut sich eher auf manche Herausforderung in den Clubs. Selbst wenn die Band selbst Techniker spielen müssen, wenn mal kein Soundmann da ist. Ein eigener wäre natürlich schön, weil man schon vorher den Klang absprechen kann. Noch ist das Zukunftsmusik.“In Clubs wie die naTo machen wir uns keine Sorgen. Hier sind alle wirklich sehr lieb und entgegenkommend.“ Wobei Alin Coen dann noch auf Leipzig zu sprechen kommt: „Leipzig ist wirklich eine Art Zentrum für uns. Hier spielen wir Konzerte, die immer gut besucht sind und es wird von Mal zu Mal besser. Leipzig ist doch schon was ganz besonderes für uns.“

Pläne gibt es aber auch nach der Septembertour durch Deutschland. „Wir warten auf die Bestätigung für eine Support-Tour, haben genügend Lieder in der Hinterhand für ein zweites Album. Ich wünsche mir, dass wir so intensiv weiter machen, wie vor der Tour auch. Wir sind komplett auf das nächste Album gepolt.“Alin Coen freut sich bei dem Gedanken, freut sich auch auf die Konzerte, die anstehen werden. Neue Songs bekommen die Fans schon jetzt zu hören, die einen weiten Ausblick auf das kommende Jahr geben.2011 wirft seine Schatten voraus. Die Band hat sich als Ganzes entwickelt, wird aber unverkennbar Alin Coen Band sein. „Ein Metalstück haben wir auch dabei.“ Die kurzhaarige Sängerin lacht. Ein Wink mit dem Zaunspfahl der Ironie? Das werden Freunde der bewegenden Musik vermutlich erst nächstes Jahr herausfinden. So lange heißt es entweder Ausschau nach Alin Coens Liveterminen zu halten oder ihr neues Album „Wer bist Du?“ anzuhören.
(Der Artikel erschien am 1. September 2010 in der L-IZ)
Ausverkaufte naTo: Alin Coen & Band verzaubern LeipzigDiesen Ansturm hat die naTo nicht erwartet. Und die Leipziger gucken nicht schlecht. Was ist hier los? Bis zum Irish Pub Killy Willy und darüber hinaus versammeln sich am Abend des 31. August auf der Karl-Liebknecht-Straße jede Menge junge Leute.Sie wollen eine Band sehen, die kurz vor ihrem Durchbruch steht oder bereits erreicht hat. Alin Coen und Band füllen gestern Abend den Saal der naTo mit Leichtigkeit.Selbst die Band schaut nach der Show mit großen, ungläubigen Augen Besucher an, die den vier Musikern erzählen, wie viele möglicherweise kommen wollten, aber nicht konnten, weil die Kapazitäten der naTo schnell erschöpft sind. Auch die Veranstalter stellen mit großem Bedauern fest, dass nicht alle Fans über die Abendkasse zu einem der Ereignisse des Jahres hinein konnten. Diesen Zuspruch hat selbst die Konzert- und Szene erfahrene naTo nicht vorhersehen können.Schon ab 19 Uhr tummeln sich vorwiegend Studenten und junge Menschen in der Kneipe der naTo, um am Abend eine ganz besondere Band zu sehen. Alin Coen & Band sind in der Stadt, haben an diesem Tag schon einen Interviewmarathon hinter sich gebracht und proben für ihre Show. Schon jetzt können die Gäste lauschen, was sie erwartet. Eine knappe Stunde Soundcheck brauchen die jungen Musiker um die Singer/Songwriterin und Weltenbummlerin Alin Coen. Dann ist alles gut und perfekt abgestimmt.

Aufgeregt ist die junge Sängerin auch sichtlich. „Es ist einer der erste Auftritte in dieser Konstellation. Die Songs auf unserem Album haben wir komplett als Band umarrangiert, haben täglich bis zu sieben Stunden geprobt. Es erwartet die Fans auch die Premiere vier unserer fünf neuen Stücke“, sagt die zierliche Sängerin im L-IZ-Interview kurz vor der Show. „An diesen Songs haben alle in der Band ihren Anteil“, erzählt Alin Coen später am Abend dem Publikum.

Inzwischen rückt die Konzerteröffnung näher, erste Fans mit Tickets versammeln sich im Vorraum zum Konzertsaal und erwarten sehnlichst den Einlass. Durch die langen Proben hat sich alles ein wenig nach hinten verzögert.

Dafür sehen umso mehr von dem Eröffnungs-Act Sabiin & The Craft Club Houseband aus Leipzig. Das Duo hat sich dem Folk und Singer/Songwritertum mit Herz und Seele verschrieben und begeistert das zunächst zurückhaltende Publikum mit leisen Liedern und zart gezupften Klängen von der Akustikgitarre. Die Takte kommen von einer betrommelten Holzkiste, erste Bewegungen im Publikum. Seit 2008 sind die beiden zusammen musikalisch aktiv, privat auch schon einige Zeit miteinander liiert.

Mit einem tosenden Beifall entlassen die auf dem Boden und auf der Tribüne sitzenden Musikfreunde das Duett, die mit ihren verträumten Liedern für manche eine neue Welt eröffnet haben.

„Das gibt es in Leipzig? Nicht zu glauben!“, entfährt es so Manchem ungläubig. Doch, genau so ist es hier in Leipzig, wo massig Talente in Proberäumen kauern und von den hiesigen Medien nicht wahr genommen werden oder nur über private Kontakte zu Auftritten kommen.

Nach dem besinnlichen und stimmungsvollen Auftritt ist noch ein wenig Warten angesagt. Umgebaut werden muss ja nicht, die Instrumente von Alin Coen & Band stehen schon während des Gigs von Sabiin & The Craft Club Houseband an ihren Plätzen.

Dann läuft nach dem Abdunkeln des Saallichts der Drummer Fabian Stevens zu seinem Drumkit auf der linken Seite der Bühne. Aufbrausender Applaus, Pfiffe, Jauchzen, als Alin Coen zusammen mit dem Gitarrist Jan Frisch und Bassist Philipp Martin auftaucht, sich ihre Akustikgitarre schnappt und Leipzig herzlich begrüßt.

„Kuschelig sieht es bei euch aus“, sagt sie lachend. Mit „Hold“ und „Ich war hier“ aus ihrem Debütalbum „Wer bist Du?“ steigt die Kapelle ein und weiß von Anbeginn an jeden Einzelnen der anwesenden Gäste hinter sich. Es folgt das umjubelte „Same Boat“, bevor dann Alins rauchig zarte Stimme mit Freude die neuen Stücke vorstellt, die noch Arbeitstitel wie „Ambient Peter“, „Psycho Peter“ und „Pierre“ tragen.

Das Publikum lacht entspannt mit und lauscht andächtig den neuen Klängen, bis auch die neuen Titel unter lautem Jubeln angenommen werden. Niemand hier kennt die Lieder, doch das ist egal. Die neuen Songs, wovon laut Band fünf bereits fertig komponiert sind, vier weitere auf ihre Vollendung warten, schlagen sozusagen umgehend ein – Heimspielatmosphäre in der naTo.

Die Band arbeitet also bereits mit gelassenem Hochdruck zum nächsten Überfliegeralbum hin.

Mit „Common Terrain“ hat die Combo ein ganz fertiges Stück hervor gezaubert. Hier steht schon der Titel fest. Mit Titeln wie „Wolken“, „Stream“, „Wer bist Du?“, „Left Behind“ und einem französisch vorgetragenen Stück mit Namen „Amêtre“ verabschiedet sich die Alin Coen Band vorerst mit tiefen Verbeugungen an das Publikum, das unter lang anhaltendem Applaus nach Zugabe ruft, während die Vier die Bühne verlassen.

Nach zwei Zugabenteilen muss sich die sympathische Formation doch von ihrem Publikum verabschieden, dafür kaufen die Fans nach dem Konzert die CD-Vorräte der Band leer. Die Band bleibt aber in der Sitzgruppe für ihre Fans zum Anfassen, Plaudern und Signieren der frisch erworbenen Alben lange da und haben für jeden ein Ohr und freuen sich sichtlich über die überschwänglichen Reaktionen der vor allem jungen Gäste.

Mit einem Kopf voller Erinnerungen an ein stimmungsvolles Konzert und wohl dem Live-Ereignis des bisherigen Jahres, schwirren die vorwiegend jungen Frauen aus der naTo.

Die gekaufte CD und das ebenfalls erhältliche Poster sind da schöne Erinnerungsstücke für alle Anwesenden. Vielleicht kommt Alin Coen mit ihrer Band im neuen Jahr wieder nach Leipzig.

Dass sie größere Konzerthäuser wie das UT Connewitz füllen können, haben sie am 31. August eindrucksvoll bewiesen. Mit Sicherheit wird auch das alte Kino nicht ausreichen. Leipzig ist eben etwas ganz besonderes für die Combo, wie Alin Coen auch feststellt.

(Der Artikel erschien am 1. September 2010 in der L-IZ)

Stimme mit Suchtpotenzial: Alin Coen veröffentlicht das Album „Wer bist Du?“

In der naTo wird am 31. August Alin Coen zu Besuch sein. Mit rauchig, sanfter Stimme singt sie versöhnlich über Beziehungen, Gefühle und Trennung. Sie versucht undurchdringliche Mauern mit Sanftheit zu durchdringen. Ihr Debütalbum „Wer bist Du?“ erscheint am 27. August.

Alin Coen trägt große Fragen und Hoffnung auf ihrer Zunge, wenn sie darüber erzählt, wie sie auf der Suche nach Nähe dann doch wieder die Distanz sucht. Die Weltenbummlerin aus Hamburg findet dabei immer den versöhnlichen, unverbindlichen Weg. So besingt Alin Coen das alte Lied über Liebe, Verlassenwerden und Beziehungsschmerz und Zweifel. Es geht aber auch um Hoffnung und Zuversicht.

Alin Coen fragt „Wer bist Du?“ nicht umsonst. In den vierzehn Stücken hinterfragt sie das menschliche Gefühlsleben, versucht zu ergründen, was Menschen bewegt oder auch nicht. Mal in Englisch, mal in Deutsch nähert sich Alin Coen Empfindungen, die man erlebt, wenn man sich kennen lernt, ineinander verliebt, sich auseinander lebt. Dabei beschreibt sie eindrucksvoll in der Ich-Person Situationen, die offenbar schon jeder einmal erlebt, aber vielleicht so nie formuliert hat.

„Ich schreib auf deine Mauer / „Dies ist der Weg“ / Und ich kratze an den Fugen / Damit sich irgendwas regt“, singt Coen mit bebender Stimme in „Ich war hier“. Spuren hinterlassen trotz Stillstand. Undurchdringlich die Gefühlsmauer des Gegenübers. Suche nach Distanz auch von Seiten der Erzählerin in „Festhalten“, wo sie „Ich bin selbst verwirrt über mein Gefühl / Ich halte dich fest, doch ich bleibe kühl“ singt und fortsetzt „Ja ich merke ich bin von dir entzückt / Solang mich die Nähe nicht erdrückt“.
Solche eindringlichen Momente umgibt die Sängerin mit warmen Gitarrentönen, stimmungsvollen Arrangements, leisen und anschwellenden Klängen. Folk würden diesen Stil die einen nennen, andere reden von Singer / Songwriter. Die leise gezupften Gitarrensaiten stehen im Licht der Musik von Alin Coen, Ausflüge in den Jazz unternimmt sie zuweilen, lässt ihre Stücke stets fließen.

Sie braucht keine schnöde Klimax, keine pathetische Melodie, die einen Song mit viel Zucker zukleistert. Alin Coens Lieder schwingen meist abgeklärt mit etwas Bitternis im raschelnden Takt der Becken des Schlagzeugs. Hin und wieder ein kleines aufflackerndes Feuer.

Zurückhaltung ist hier der Freund der Künstlerin. Auch wenn Alin Coen viel in ihren Texten preis gibt, hat man nicht das Gefühl, ihr gehe es um den Effekt. Mit einer perfekten Instrumentierung unterlegt, hat Alin Coen mit ihrer Band ein stimmungsvolles Album geschaffen. „Wer bist Du?“ wirkt nicht überladen, will nichts beweisen. Keine Platte als etwaige Bewerbung um einen Talentwettbewerb. Die Alin Coen Band ist anderen Debütanten mindestens zwei Schritte voraus, was Musik, Reife und Texte angeht.In „Wer bist Du?“ zeigen sich wahres Talent und echte Empfindung. Das ist selten heutzutage. Deswegen ist „Wer bist Du?“ eine wirkliche Entdeckung, vielleicht die überhaupt des langsam alternden Jahres. Unsagbar schön, überwältigend und mit echtem Suchtpotenzial.
(Der Artikel erschien am 19. September 2010 in der L-IZ)
Unbeachteter Newcomer in Leipzig? Die naTo erwartet Alin Coen und Band
„Den meisten Radiostationen liegt inzwischen unser Lied ‚Ich war hier‘ vor und trotzdem spielen die wenigsten von ihnen diesen Song“, teilen Alin Coen und ihre Band auf ihrer Webseite mit. Diese talentierte junge Band debütiert im August mit ihrer ersten Albumaufnahme und sind schon Ende August in Leipzig zu sehen.
Konsequente Nichtachtung von jungen Talenten scheint bei vielen Radiostationen vorzuherrschen, denn Alin Coen ruft ihre Fans zu Aktionen auf: „Wenn ihr Radiohörer seid und ihr gerade die Muse habt, dann wäre es sehr unterstützend, wenn ihr bei dem Radiosender eures Vertrauens anruft oder eine Email schreibt und euch wünscht, dass dieses Lied gespielt wird.“ Aber so unbeachtet wurde die Band nicht, wie vielleicht dieser kleine Hilferuf offenbart.ZDF und 3Sat haben sich schon 2008 für diese Formation gerührt. Nun sind die Fans gefragt, diese Kapelle für sich zu entdecken. Antenne Thüringen hat schon am 20. Juli mit einem Special reagiert. Aber wo bleibt der Rest?Die Gelegenheit ist günstig, denn am 31. August können sächsische Fans ruhiger und besänftigender Musik in Liedermacher-Art Alin Coen und ihre Mitstreiter Jan Frisch (Gitarre), Philipp Martin (Bass) und Fabian Stevens (Schlagzeug) im Leipziger Club naTo live erleben.In Chemnitz ist die Band am 2. September zugegen. Wer die Newcomer dann immer noch verpasst hat, kann Halle/Saale am 5. Oktober aufsuchen, wo Alin Coen im Riff Club auftreten wird.

Nun fragt sich so mancher nicht ganz unberechtigt, was machen die für einen Aufstand? Wer ist denn Alin Coen und ihre Band? Vor nicht allzu langer Zeit gründete die Hamburger Sängerin Alin Coen während ihrer Studienzeit in Weimar eine Band mit Jan Frisch an der Gitarre, Philipp Martin am Bass und Fabian Stevens am Schlagzeug.Es entstand so seit 2007 ein Sound, der dem Folk entspringt, den Pop durchwandert und mitten ins Herz trifft. Alin Coen selbst ist Tochter einer deutschen Ärztin und eines mexikanischen Künstlers, reiste als Jugendliche viel in der Welt herum. Ihr Talent als Gitarristin und Sängerin fiel nach eigenem Bekunden per Zufall bei einer offenen Bühne in Schweden das erste mal auf.
Alin Coen ist eine jener fünf Nachwuchsbands, die 2008 am „Popcamp“ des Musikrats teilnahmen, selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Widerhall fand. Im Popcamp treten die Bands nicht gegeneinander an, vielmehr werden sie von „Musikprofis“ auf dem Weg in die Professionalität begleitet, frei nach dem Motto „Vielfalt statt Mainstream“.Dass es geholfen hat, beweisen die vielen Konzerten im In- und Ausland. Nun ist der für Folk und Singer / Songwriter typisch ruhige und nachdenkliche Klang auf einen Tonträger gebrannt worden. Das Debütalbum “Wer bist Du?“ wird am 27. August veröffentlicht und zeigt die vielfältigen Facetten einer Formation, die fernab vom herkömmlichen Pop-Einerlei ihre ersten Gehversuche unternimmt.
Die musikalische Intensität der englischen und deutschen Lieder wird durch Alins Texte verstärkt, die mal selbstironisch und mal nachdenklich sind. Die erste Single „Ich war hier“ ist ein gutes Beispiel für ihr einfühlsames Songwriting.

Dabei bewegt sich die Band zwar im bereits bekannten und heute so beliebten Spannungsfeld von Folk und Pop. Unverwechselbar sind Stimme und Stimmung von Alin Coen. Die 28-jährige Liedermacherin singt über Hoffen und Scheitern, Lieben und Loslassen.

Es gibt also viel zu Entdecken, wenn man am 31. August den Weg in der naTo findet. Diese Band braucht kein Radio-Airplay. Dafür ist sie fast zu schade.

(Der Artikel erschien am 27. Juli 2010 in der L-IZ)

2 Antworten auf “Stolz wie Bolle: Alin Coen Band live auf dem Leipziger Campusfest”

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